Texte von Holger Bunk

Forschungsbericht Wintersemester 2012/13
Tagebuch

8.9.12
Mache eine kleine Zeichnung, die mir gefällt. Eine Bildidee aus der sowohl Zeichnungsserien als auch größere Bilder werden können. Ich lese noch eine ausgewogene Rezension der Dokumenta in der Süddeutschen Zeitung von gestern. Ein Wunsch für die Dokumenta 14 steht am Ende: die nächst Dokumenta sollte die Kunst nicht nur von ihren Vernetzungen aller Gattungen und wissenschaftlichen Gebieten her beleuchten. Und auch nicht wieder den Schwerpunkt so stark auf die „Schwellenländer des Kunstbetriebes“ verlagern. Das könnte allerdings die Süddeutsche auch mal wieder versuchen: eine Haltung zu einer „Kunst“ finden, sich identifizieren und etwas auswählen, statt alles politisch Korrekte abzudecken. Versäume abends die Amsterdamer Saisoneröffnung in den Galerien, weil ich mich im Atelier festgearbeitet habe. Die Finger sind schmutzig, kann mich grade nicht lächelnd im sauberen Hemd präsentieren.

9.9.12
Nachdem ich meine ersten drei Pastellskizzen auf Leinwand mit Spezialgrundierung fertig habe geht der Versuch, sie zu fixieren einigermaßen schief. Nicht anders als bei m Papier, das ich bisher ausprobiert habe, werden einige Partien der Pastelle durch das Fixativ dunkler und das ganze Bild stimmt danach nicht mehr. Ich weiß immer noch nicht, warum das manchmal passiert und dann wieder nicht. So sind viele meiner Pastelle nach dem fixieren nicht mehr so farbbrillant wie vorher. Schade. Es war wunderbares Wetter, aber ich bin den ganzen Tag im Atelier.

10.9.12
Mache Zeichnungen mit Ölkreiden und Bleistiften. Aber im Moment gefallen mir alle meine Arbeiten nicht besonders. Jetzt probiere ich weite, neue Grundierungen von Leinwand für Pastelle an zumischen. Natürlich weiß man nie, ob das Ergebnis nach dem Fixieren zufrieden stellen wird. Schreibe jede Menge mails an Ausstellungsorganisatoren und Kollegen.

11.9.12
Bin froh, dass ich eine Ausstellung in einem kleinen Kunstverein abgesagt habe und mich auf die Ausstellung im Kunstraum Neuruppin bei Berlin werde konzentrieren können. Auch eine Eröffnungsrede für meinen Japanischen Studenten Hiroki Tsukiyama kann ich nicht halten, weil ich zu dem Zeitpunkt noch in Ferien sein werde. Eine kurzfristige Anfrage wegen einer Abbildung meines Bildes „Blauer Raum“ kam heute an. So versuche ich, den Herausgebern noch 2 Tage vor den Ferien weiter zu helfen. Professor Saito ist jetzt schon auf dem Weg von Tokyo nach Amsterdam. Ich plane meine Reise nach Leiden, wo ich ihn am Donnerstag treffen möchte. Meine letzte und einzige Möglichkeit vor den Ferientagen. Grundiere eine Leinwand und 2 Holzplatten grau, um neue Versuche mit Pastellkreiden machen zu können. Während die Flächen trocknen, mache ich eine Reihe Zeichnungen. Im Zeitungsladen kaufe ich eine Stereo-Postkarte: Irgendjemand hat ein Bild von Degas umgebastelt, sodass die Tänzerinnen jetzt in einem Guckkastenraum herum hüpfen. Es gab auch einen räumlichen Van Gogh und einen Dürer-Hasen, der mit dem Kopf wackelt, die fand ich aber nicht so schön.

12.9.12
Heute sind Wahlen in Holland, bin gespannt aufs Ergebnis. Am wichtigsten wird sein, dass der kulturfeindliche Rechtspopulist nicht mehr so viele Stimmen bekommt, dass er Einfluss auf die Regierungsparteien nehmen kann. Ich bringe mit dem Fahrrad das Bild von Thomas Bechinger zur Künstlervereinigung „Arti et Amicitiae“. So laufen nämlich heute internationale Kunsttransporte. Versende außerdem die Einladungen zur Ausstellung „bis hier … 50 Jahre Kunstverein Bochum“ zu der ich eingeladen wurde. Leider hat der Bildtransport aus Stuttgart dahin noch nicht geklappt. Und zur Eröffnung kann ich wegen meines Urlaubs auch nicht.

13.9.12
Am morgen habe ich noch eine Zeichnung mit einem balancierenden Mann fertig gemacht und zusammen mit Zeichnungen der letzten Tage im Garten mit Fixativ besprüht. Im Radio kommt die Nachricht, dass die Rechtsliberalen und die Sozialdemokraten die stärksten Parteien geworden sind und der kultur- und europafeindliche Populist eine schwere Schlappe erlitten hat. In der Zeitung im Café las ich das Wahlergebnis noch einmal im Detail nach. Danach musste ich anfangen Koffer zu packen, denn der Nachmittag war für meine Fahrt nach Leiden zu Prof. Saito aus Tokio reserviert. Wir trafen uns eine Viertelstunde früher als verabredet am Eingang des Museum voor Volkenkunde, wo er seine Wohnung als artist in residence hat. Wir freuten uns beide, dass wir uns in Holland wieder sehen konnten und gingen in ein benachbartes Café. Wir sprachen lange über unsere geplante Ausstellung kommendes Jahr in Stuttgart und die Vorbereitungen. Ich freute mich, dass Prof. Saito meinen Titel „ZigZag Dialog“ gut findet. Saito erzählte mir, dass er viel unterwegs sein werde in der kommenden Zeit. Hier in Leiden hält er nicht nur einen Vortrag über Japanische Malerei sondern unterrichtet auch zwei mal in der Woche eine Gruppe von 30 Leuten im Umgang mit Japanischen Materialien. Abends gehe ich noch mal im Reisebuchladen genauere Reiseführer über unser Ziel in Italien kaufen. Dann weiter hektisches Kofferpacken, denn die Reise beginnt sehr früh morgens. In diesem Tagebuch wird voraussichtlich eine Lücke von 3 Wochen entstehen. Denn nachdem ich heute noch eine Menge Mails verschickt habe (z. B. Stellenausschreibungen an meine ehemalige Studentin Isabell Kamp schicken) werde ich den Rechner zuklappen und nicht mitnehmen!

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