Texte von Holger Bunk

Kathedrale und Bierdeckel
Gefälle zwischen Malerei und Illustration?

Moralisches und soziales Engagement sind dazu verdammt, mit den politischen Verhältnissen kippen, die Konnotation des Engagements und des Populären ebenso. Nachträglich wirken die Obama-Portäts wie Applaus zum Repräsentanten des Systems. Ursprüngliche Hoffnungen und politische Details gehen in Propaganda unter.

»Hope« Shepard Fairey *1970
»Hope« Shepard Fairey *1970

Nicht zu übersehen ist zudem der Stolz, mit dem sich die Pop-Attitüde mit dem Marketing von Mode verbindet. In den USA vielleicht der Beweis, dass Kunst im Alltag der Menschen angekommen ist. In Europa würde man dagegen den Konsumismus und die Gewinnerzielungsabsicht hinterfragen. Hier wird auf jeden Fall eine Gemeinde von Followern gebildet. Das vom Kult-Künstler gemachte Bild bekommt die Qualität eines Logos, das die Lifestyle-Szene zusammenschweisst. Die mediale Aufmerksamkeit, macht seine Inhalte zu einer Konsumware mit vergänglicher Haltbarkeit vergleichbar Mode oder Tageszeitung.

Ein gleichzeitiges und doch entgegengesetztes Phänomen ist die Karriere des Malers Kerry James Marshall, der als Schwarzer derzeit im Alter von ca. 60 Jahren Ausstellungserfolge hat, die aber auf der kuratorischen Ebene wie ein erschrecktes Nachholen von Versäumnissen wirkt. Denn wie peinlich ist es, dass verglichen mit der Pop Musik im Ausstellungsbetrieb so unglaublich wenige schwarze Amerikanerinnen und Amerikaner international durchbrechen? Im Interview bekennt Kerry James Marshall, dass er sich in der akademischen Welt mangels Vorbildern als Aussenseiter empfand.

Kerry James Marshall *1953
Kerry James Marshall *1953

So speist sich seine Ikonographie konsequenterweise aus der Alltagswelt der schwarzen Communities, die sich in einer eigenen Subkultur von Zeichen und Bildern äussert – allerdings mit der Frage nach kultureller Autonomie und Rechten einer Minderheit.